Biedermann stellt Training um
Klassische Badehose statt High-Tech-Anzug: Mehr als sechs Sekunden blieb Paul Biedermann beim Einladungsschwimmfest in Halle über seiner Weltrekordzeit über 200 Meter Freistil. Doch der Doppelweltmeister verfällt wegen seiner 1:48,53 Minuten nicht in Panik.
"Ich muss mein Training völlig umstellen. Die Inhalte haben sich verändert. Es wird wieder mehr Wert auf die Rumpfkraft, die Atemtechnik oder Delphinschläge mit den Beinen gelegt. Es wird kaum möglich sein, unter den jetzigen Bedingungen wieder dicht an seine Bestzeiten heranzukommen", erklärte Deutschlands Sportler des Jahres 2009.
Am 9. März fliegt Biedermann mit seinem Coach Frank Embacher nach Teneriffa. Das zweiwöchige Trainingslager ist ein wichtiger Mosaikstein in Vorbereitung auf die Europameisterschaft im August in Budapest. "Statt ausschließlich auf Kraft und Regeneration zu setzen, ist jetzt auch wieder Stehvermögen gefragt. Wir werden nun viel häufiger wieder Distanzen über 200 und 400 Meter im Training schwimmen und außerdem verstärkt an Gleitvermögen und Koordination arbeiten. Die Schwimmer müssen das Wasser wieder fühlen können", meinte Embacher, für den die Topzeiten des vergangenen Jahres nicht mehr relevant sind. "Für den EM-Titel über 200 Meter Freistil sollte eine Zeit unter 1:46 Minuten reichen. Wir werden uns auch daran gewöhnen müssen, dass 3:46 Minuten ein Spitzenergebnis über 400 Meter Kraul sind." Biedermanns bei der Weltmeisterschaft in Rom aufgestellten Weltrekorde stehen bei 1:42,00 und 3:40,07 Minuten.
Für den Doppelweltmeister ist es kein Problem, dass er seinen eigenen Bestmarken weit hinterher krault. "Wir stecken noch mitten in der Vorbereitung. Meine Topform soll im Juni kommen. Dann möchte ich bei einem hochkarätig besetzten Meeting in Monaco gegen die stärksten Russen und Australier ein erstes Zeichen setzen", erklärte der EM- Titelkandidat seinen Fahrplan. Für Biedermann ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, wann er seinen High-Tech-Anzug wieder aus dem Schrank holt. "In zwei bis drei Jahren werden die Anzüge wieder zugelassen. Die Leute wollen schnelle Zeiten sehen", betont der 1,92 Meter große Modellathlet sicher. In Budapest muss Biedermann jedoch noch mit der Badehose auf Titeljagd gehen.
Bundesliga - Bayer schwimmt oben, HSV säuft ab
"Extraklasse" auf der einen, von allem "zu wenig" auf der anderen Seite: Nach dem klaren 4:2-Sieg des Tabellendritten Bayer Leverkusen gegen den bisherigen Vierten Hamburger SV sprach Bayer-Trainer Jupp Heynckes schwärmerisch von "wunderschönen Toren", "exzellentem Fußball" und "Extraklasse".
Sein Gegenüber Bruno Labbadia hingegen bemängelte, seine Mannschaft habe "zu wenig Fußball gespielt", "zu wenig getan" und "zu wenig investiert".
So unterschiedlich die Analysen ausfielen, so verschieden waren auch die beiden Halbzeiten gewesen. In den ersten 45 Minuten lieferten sich beide Teams einen ausgeglichenen Schlagabtausch und gingen nach Toren von Bayer-Goalgetter Stefan Kießling (22. Min.) und HSV-Routinier Zé Roberto (33.) mit 1:1 in die Kabine.
"Scheiß-Tore" und "absolut unmöglich"
Dort "hat uns der Trainer perfekt motiviert für die zweite Halbzeit und entscheidende Dinge mitgegeben", verriet Leverkusens Eren Derdiyok über die Pausenansprache von Heynckes. Labbadia indes muss wohl die falschen Worte gewählt haben. Denn Hamburg fand im zweiten Durchgang praktisch nicht mehr statt, schlug die Bälle nur noch planlos nach vorne und fügte sich nach dem Doppelschlag durch Derdiyok (55.) und Kießling (62.) widerstandslos in sein Schicksal.
"In der ersten Halbzeit hat man überhaupt keinen Unterschied gesehen. Direkt nach der Pause kriegen wir zwei Scheiß-Tore durch zwei Flanken", sagte ein angefressener HSV-Kapitän David Jarolim. "Danach muss mehr kommen, aber wir haben die Bälle nur noch nach vorne geschlagen. Das ist absolut unmöglich."
Heynckes verteidigt Labbadia
Was genau für das plötzliche Absaufen der Hansestädter verantwortlich war, konnten auch die HSV-Profis nicht begründen. "Wieso wir in diesem Maße Fehler gemacht haben, weiß ich nicht", bekannte ein ratloser Mladen Petric. "Ich kann mir das nicht erklären. Aber Leverkusen hat das auch eiskalt ausgenutzt."
Mit der Niederlage gegen Bayer dürfte sich der HSV wohl endgültig aus dem Rennen um die Champions-League-Plätze verabschiedet haben. "Wir haben heute eine Riesenmöglichkeit nicht genutzt", unterstrich Labbadia. "Wir wussten, dass wir eine gute Chance hätten, wenn wir hier gewinnen", stimmte Jarolim zu. "Aber wir haben verloren, da kann man nicht groß träumen. Wir müssen jetzt zusehen, dass wir wenigstens unseren Tabellenplatz verteidigen."
Damit nicht genug: Labbadia, der im Sommer im Streit vom Rhein an die Elbe gewechselt war, wurde an alter Wirkungsstätte von den Bayer-Fans mit "Scheiß-Labbadia"-Sprechchören beleidigt. "Auch vor dem Hintergrund, was in Berlin passiert ist, finde ich es nicht gut, dass der gegnerische Trainer so respektlos behandelt wird. Da ist Fair Play gefragt", kritisierte Heynckes den eigenen Anhang. "Ich bedanke mich bei Jupp Heynckes", kommentierte Labbadia selbst den Vorfall. "Aber die Niederlage wiegt schwerer."
Bayer gut erholt
Das unsportliche Verhalten des eigenen Anhangs war aber auch das Einzige, was "Don Jupp" verärgerte. Denn seine Mannschaft zeigte sich gut erholt von der ersten Saisonniederlage am vergangenen Wochenende in Nürnberg und mischt nach dem 14. Saisonsieg weiter im Titelrennen mit. "Wir haben gegen den Club einen richtigen Dämpfer bekommen. Einige sind jetzt aufgewacht", sagte Gonzalo Castro, der nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer durch David Rozehnal (83.) postwendend den 4:2-Enstand markiert hatte (84.). "Wir haben Nürnberg gut weggesteckt", befand auch Heynckes. "Das stimmt sehr optimistisch."
Da fiel auch das Missverständnis zwischen dem seit seiner Nominierung zur Nummer eins in der Nationalmannschaft unsicher wirkenden René Adler und dem finnischen Abwehrchef Sami Hyypiä beim 1:1 nicht weiter ins Gewicht. "Adler soll einen Englisch-Kurs machen oder Hyypiä besser deutsch lernen", empfahl Heynckes gelassen. "Sowas passiert. Ich sehe das ganz locker."
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